Rekordhitze schluckte den Segelwind

Schaulaufen vor dem Olympiahafen Kiel-Schilksee: Die Thor Heyerdahl gehört zu den prominentesten Großseglern auf der Windjammerparade der Kieler Woche. Foto: Christian Beeck/Kieler Woche

Kein Wind, keine Segelwettfahrten – auf diesen einfachen Nenner kam die Kieler Woche am Sonnabend (27. Juni), dem vorletzten Tag der Regatta in Kiel-Schilksee. Einzig das am Freitagabend gestartete Silberne Band der seegehenden Yachten, landläufig Dickschiffe genannt, wurde nach einer Streckenverkürzung noch ins Ziel gebracht. Die Gluthitze über halb Europa hat auch den Norden Deutschlands erfasst und saugte jeglichen Segelwind auf, bevor in der Nacht zu Sonntag schwere Gewitter erwartet werden. Für den Schlusstag hoffen die Aktiven und Organisatoren nach einer anspruchsvollen Woche auf eine versöhnliche Brise.

Meteorologe Sebastian Wache von der Kieler Wetterwelt, der schon die gesamte Kieler Woche der gefragteste Mann war, stand am vorletzten Regattatag besonders im Fokus. „Die Rekordhitze mit rund 35 Grad hat auch Schilksee im Griff, bringt aber nicht die erhoffte thermische Seebrise, weil teils Wolken einer ersten Störung mit Gefahr von Blitz und Donner das Land abdecken“, so der Wetterfrosch. Auch die Luftdruckgegensätze blieben zu gering. Die Gefahr schwerer Gewitter mit potenziellen Orkanböen sah Wache zwar erst in der Nacht auf Sonntag. Doch Hoffnung auf konstanten Segelwind hatte er nicht. Um 14.12 Uhr erlöste der oberste Wettfahrtleiter Fabian Bach alle Wartenden und sagte das komplette Programm für den Tag ab.

Die einzige Wettfahrt, die schon am Vorabend in der Strander Bucht gestartet war, blieb über den ganzen Tag das Silberne Band als Langstreckenrennen zum Abschluss des Seesegelns auch für die internationale deutsche Meisterschaft für Zweiercrews (double-handed). Es sollte über 135 Seemeilen linksrum um die dänische Insel Langeland führen. „Das Feld ist bei Traumbedingungen und Geschwindigkeiten von bis zu 15 Knoten (fast 30 km/h d. Red.) in den Großen Belt gesegelt“, berichtete der oberste Wettfahrtleiter Eckart Reinke.

Doch kaum war die Nordspitze passiert, schlief die Brise nach und nach ein. Und: Die zuvor beschleunigende Strömung lief nun den Yachten entgegen. An der Spitze schob sich das Feld zusammen, viele Boote parkten ein. Etliche ankerten sogar, um nicht rückwärtszutreiben. Dann wurde das Rennen verkürzt und das Ziel an einem Wegpunkt vor der Insel Avernakø ausgelegt. Um 15.08 Uhr und 26 Sekunden schob sich die Cape 31 „Niramo“ von Sönke Meier-Sawatzki vom Kieler Yacht-Club als Erste ganz langsam über die Linie. „Hier war totale Flaute, aber später in einer Gewitterfront eine Bö mit 40 Knoten“, meldete Uli Münker aus dem Wettfahrtteam. Um 21 Uhr würde das Zeitlimit ablaufen. Die Siegerehrung war bereits auf Sonntagvormittag verschoben.

Derweil erfreuten sich Zigtausende Sehleute an den Ufern der Kieler Förde an der traditionellen Windjammerparade. Das Führungsschiff, die „Thor Heyerdahl“ hatte wie die meisten anderen Teilnehmer auch selbstverständlich seine Segel gesetzt. Doch musste die Flotte den Weg raus am Leuchtturm Friedrichsort vorbei auf die Außenförde unter Maschinenkraft zurücklegen. Der Wind war schlicht nur zum Jammern.

 

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