Glanz im 470er, Druck für 49er
Zahlreiche deutsche Tagessiege, aber auch einige Rückschläge kennzeichneten den zweiten Segeltag der Kieler Woche am Sonntag (21. Juni). Angeführt von den Vizeweltmeistern Simon Diesch (Deggernhausertal) und der Kielerin Anna Markfort belegen fünf 470er-Crews des Deutschen Segler-Verbands (DSV) Top-Sechs-Ränge. Bei leichtem bis mäßigem Wind glänzte im Sailing Grand Slam der olympischen Bootsklassen auch Lokalmatador Ole Schweckendiek im ILCA 7, der als Achter und Erster Platz zwei innehat. Dagegen müssen die einheimischen Mitfavoriten in der 49er-Gleitjolle noch um den Einzug in die Goldflotte der 20 Besten bangen.
Schwarz-rot-gold in Front hieß es in allen drei Wettfahrten der 470er, die mit Mixed-Crews gesegelt werden. Zum Auftakt siegten Malte Winkel und Bente Batzing (Kiel/Schwerin) und sicherten sich den zweiten Gesamtrang hinter Diesch/Markfort (2./1./3.). Aufs Zwischenpodium schafften es Hedvig und Hugo Liljegren aus Schweden. Die deutsche Domäne deutet an, wie hart umkämpft im nächsten Jahr das einzige Ticket zu den olympischen Spielen in Los Angeles/USA sein wird.
Aggressives Startverhalten der ILCA-7-Männer mündeten in anderthalb Stunden Verspätung, bis die erste Wettfahrt auf der Bahn Lima unterwegs war. Folge: Der Wind reichte nur zu zwei Rennen in beiden Gruppen mit einem französischen Spitzenreiter: Alexandre Kowalski aus Brest. Drei Punkte zurück zeigte die Kieler Nachwuchshoffnung Ole Schweckendiek, dass gerade bei leichtem Wind mit ihm zu rechnen ist. Beim Tagessieg im zweiten Rennen ließ er den Franzosen direkt hinter sich. Platz acht und neun brachten dem dreimaligen Olympiateilnehmer Philipp Buhl (Sonthofen) Rang elf ein. Das wird den frischgebackenen Vizeeuropameister noch nicht zufrieden stellen und am Montag bei ähnlichen zu erwartenden Bedingungen in den Angriffsmodus schalten lassen.
Eine Disqualifikation zu Beginn wegen Frühstarts brachte Julia Büsselberg im ILCA 6 nicht aus dem Rhythmus. Die Berlinerin konterte mit einem Tagessieg und sicherte sich danach Gesamtplatz fünf. An der Spitze weht der Danebro mit Anna Munch aus Aarhus vor Helena Wolff (Hellerup).
Bange Unsicherheit herrschte nach einem wechselhaften Tag mit vier Rennen bei den 49er-Männern. Nur die Kieler Simon Heindl und Conrad Jacobs liegen als 16. im Zwischenklassement unter den Top 20. Doch der Cut für die Goldflotte erfolgt erst am Montag nach zwei weiteren Qualifikationswettfahrten. Die Erleichterung stand Jakob Meggersdorfer (Kiel), dem WM-Vierten mit Andreas Spranger (Hamburg) ins Gesicht geschrieben: „Na dann können wir ja doch noch ‚eine Runde weiterkommen‘, nachdem wir heute ein paar kleine Fehler gemacht haben.“ Die Mitfavoriten sind trotz eines Siegs zum Tagesabschluss vorläufig nur 26. Meggendorfer: „Am Ende hat endlich mal der Start und in der Folge alles andere gepasst.“
Bald nach dem Zieldurchgang war der Kieler Per Schwall schon im Chill-out-Modus. Eine Viruserkrankung hatte ihn sechs Wochen aus der Bahn geworfen. Beim Comeback mit Bruder Frederik an der Vorschot ging es stetig bergauf, ebenfalls bis zum Tagessieg. „Das war schon etwas Besonderes in unser Heimatbucht direkt vor Schilksee“, so der Steuermann, „das macht uns Mut auf dem Weg zur Junioren-WM Ende Juli in Holland.“ Nachdem sie am späten Nachmittag noch auf den 21. Platz abrutschten, dürften sie genauso wie das Top-Team Richard Schultheis/Fabian Rieger (Malta/Kiel) als 22., ebenfalls mit einem Tagessieg, froh sein, dass der Schnitt noch nicht erfolgt. Ganz vorn liegt das US-Duo Nevin Snow/Ian Macdiarmid punktgleich vor Hernán Umpierre/Fernando Diz aus Uruguay und den Schweizern Joshua Richner/Nilo Schärer.
Noch viel Luft nach oben ließen auch die deutschen 49erFX-Frauen, die am Sonnabend bei schwachen Winden als einzige zum Zuge gekommen waren. Beste Deutsche blieben Jule Ernst und Lea Adolph aus Bayern als Siebte knapp vor den Lokalgrößen Maru Scheel und Freya Feilcke. Die Olympia-Sechsten Marla Bergmann/Hanna Wille vom Mühlenberger Segelclub schafften es als 17. um zwei Zähler so gerade noch in die Goldflotte der Top 20. Es führen Helen Pais und Helen Ausman aus Estland vor Freya Black und Saskia Tidey (Großbritannien).
Bei der Internationalen Deutschen Inshore-Meisterschaft im Seesegeln gab es einen Wachwechsel. Bereits nach dem Feeder Race, der Rückführung der Aalregatta aus Eckernförde in die Kieler Bucht, die erstmals mit einem sogenannten Känguru-Start gesegelt wurde, bei dem die Yachten zeitlich versetzt nach ihrem Handicap loslegen, übernahm der Norweger Jon Sverre Hoiden mit „Son of Hurricanes“ die Führung von Erik Stannow (Dixi 5/Dänemark). Mit einem Tagessieg im dritten, kurzen Up-and-Down-Rennen schob sich der Berliner Jens Kuphal mit der „Exciter“ auf Rang drei vor.